Impressum | Manifest | Kontakt | Sitemap || kulturshop
Portrait Galerie Extras Meinungen Angebote
 

Sarah Lucas

Ansichtsbild mit Schinken-Matratze

Die Zigarette danach - Sarah Lucas im Kunstverein

Anfang der neunziger Jahre reagierte die englische Kunstszene auf die immer härter werdende soziale Situation im Land mit einer bewusst rohen und teilweise schockierenden Ästhetik. Das Ganze sorgte weltweit unter dem Namen "Young British Art" für Furore. Doch der Hype verrauchte schnell und nur wenige Künstler konnten sich weiterhin behaupten. Eine von ihnen ist Sarah Lucas. Die Künstlerin wurde 1962 in East-London geboren, wo sie auch heute noch lebt und arbeitet. Die Absolventin des berühmten Goldsmith-Colleges setzt sich auf ihre ganz eigene Art und Weise mit gesellschaftlichen Klischees auseinander: Sie kombiniert alltägliche Objekte wie ausrangierte Möbel, Lebensmittel und andere Fundstücke zu seltsam irritierenden Gebilden. Die Wahl der Materialien hatte dabei ganz pragmatische Gründe: "Die Materialien, mit denen ich arbeite, müssen jederzeit verfügbar/billig sein, denn sonst hätte ich sie ja nicht auftreiben/bezahlen können. Und sie müssen nicht nur mich, sondern auch andere interessieren", sagt sie.

Ganz und gar nicht sexy

The Kiss

Die Collagen, Objekte und Installationen, die Sarah Lucas aus diesen Dingen zusammenstellt, amüsieren und schockieren den Betrachter gleichermaßen, da sie meist provokant-aggressiv und sexuell aufgeladen sind. Sie sind absurd und übertrieben und auf eine Weise verfremdet, die Sexismus und latent vorhandene gesellschaftliche Gewalt reflektieren. Es ist alles andere als erotisch, wenn Sarah Lucas zwei speckige Schweinshaxen in einen alten Schlüpfer steckt und auf einer schmuddeligen Matratze arrangiert und das Ganze "I might be shy, but I'm still a pig" nennt. Auch in "Chicken Knickers" nimmt sich Lucas' des Geschlechter-Themas mit trockenem britischen Humor an. Im Spannungsfeld zwischen Pornographie und Zensur bedient sie sich auch gern der Sprache der Boulevardpresse. So setzt sie sich mit gesellschaftlichen Klischees auseinander und hinterfragt die Gültigkeit von eingefahrenen Geschlechterrollen und Klassenverhältnissen.

Klos und Zigaretten

genetic

Immer wieder tauchen Toiletten und Zigaretten auf: "Mit den Zigaretten-Arbeiten habe ich vor allem angefangen, um etwas mit meinen Händen und meiner Zeit zu machen. Davon hatte ich nämlich reichlich, wenn ich nicht gerade geraucht habe", erklärt sie. Ihr erstes Zigaretten-Werk war ein Penis. "Mir hat die Vorstellung eines großen Penis gefallen, der aus vielen kleinen Penissen komponiert ist. Als ich dann gesehen habe, wie sich die Zigaretten, die ich für meine Objekte verwendet habe, eine Art Wettrennen lieferten, fühlte ich mich plötzlich an Spermien erinnert." Für Sarah Lucas ist das Rauchen eine Methode, um ganz handgreiflich Zeit zu haben. Denn auch das, was wir als leeren Raum bezeichnen, sei in Wahrheit mit Bakterien, Gas und anderen Dingen gefüllt. Und da Kunst schaffen für Sarah Lucas bedeutet, Dinge sichtbar zu machen, gehören für sie auch Toiletten als Kehrseite unserer Existenz dazu. "Versteckt und dreckig dienen sie einzig dazu, all das zu entsorgen, was wir nicht um uns haben wollen. Sie sind uns vertraut - egal, ob wir Toiletten nun primär als aufnahmebereites Gefäß, als Rückzugsort oder als wohl geformtes Objekt betrachten."

Das Bad Girl

Lucas Fighting Fire With Fire

Sarah Lucas präsentiert sich in ihren Selbstporträts gern als Bad Girl. Wenn sie breitbeinig in provokant männlicher Pose auf einer Treppe sitzt, sich auf ziemlich eindeutige Weise eine Banane in den Mund schiebt oder mit Lederjacke und Sonnenbrille bekleidet ist, meist starrt sie dabei direkt in die Kamera und demonstriert geradezu provokant ihre Selbstsicherheit. Ähnlich wie in ihren Werken spielt die Künstlerin auch in ihrer Selbstdarstellung mit stereotypen Geschlechterrollen und zeigt ihre Schwäche für alles Androgyne. "All dieses angeblichen Identitäten", sagt sie in einem Interview, "sind doch lediglich außerordentlich fragile Konstrukte. Sie könnten genauso gut völlig anders beschaffen sein." Die Ausstellung mit Werken von Sarah Lucas ist noch bis zum 9. Oktober im Hamburger Kunstverein zu sehen.

Kontakt

Kunstverein in Hamburg

Klosterwall 23

20095 Hamburg

Telefon: 040 33 83 44

Telefax: 040 32 21 59

 

ansicht

 

Führungen mit dem Team des Kunstvereins jeden Donnerstag um 18 Uhr:

  • Yilmaz Dziewior: 25.8. / 1.9. / 22.9
  • Corinna Koch: 8.9. / 29.9.
  • Janneke de Vries: 15.9. / 6.10
  • und an folgenden Sonntagen um 16 Uhr:
  • Kerstin Stakemeier: 18.9. / 9.10

Eintritt

  • 5,- Euro, ermäßigt 3,- Euro
  • Mitglieder frei

Öffnungszeiten

  • Dienstag-Sonntag 11-18 Uhr
  • Donnerstag 11-21 Uhr

 

Complete Arsehole

Complete Arsehole

 

Text: Annette Riestenpatt
Fotos: Sarah Lucas

© kulturportal-hh.de 2005