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Hamburg endlich ohne Kulturförderung

Mit der drastischen Reduzierung der Fördermittel in Hamburg hat sich die Kultursenatorin Prof. Dr. Karin v. Welck in der Hamburger Kulturscene nicht unbedingt beliebt gemacht. Doch der offizielle Kunstbetrieb ist in Hamburg nicht ohne Grund zu dem geworden, was er heute darstellt: Eine Kultur der Anpassung und wenig anderes als schöner Schein. Das Vermittlungsverhältnis von Kunst und Gesellschaft scheint verloren gegangen zu sein und Kunst als inszenierter Widerspruch scheint ausgestorben.

Nur wenige bedeutende zeitgenössische Produktionen in Hamburg, die dem Zeitgeist Paroli bieten, finden in kleinen Museen, bei privaten oder gewerblichen Einrichtungen ein Exil. So manche dramatische Inszenierung, die sich mit bewundernswerter Energie dem Einheitstrend entgegensetz, bleibt auf der Strecke.

Mehr Kulturpolitische Arbeit ist notwendig

Die Zeiten voller Kulturtöpfe, in denen Kulturprojekte nach undurchsichtigen Verteilungsschlüsseln - ohne transparente Qualitätsprüfung - gefördert wurden, sind vorbei.

Leere Kassen und geringe Fördermittel zwingen die Kulturpolitiker, zu deutlich mehr Arbeit als bisher geleistet wurde. Die Förderwürdigkeit einzelner Projekte muss deutlich aufwendiger geprüft und neue Verteilungsschlüssel müssen entwickelt werden. Das bietet Chancen - mehr noch es könnte vor allem eine Chancengleicheit bieten, von der insbesondere kleinere Kulturanbieter profitieren könnten.

Nicht nur Elitekultur

Kultur beschränkt sich nicht nur auf Kunst, Literatur und die anderen Hervorbringungen einer "Hochkultur", die trotz aller gegenteiliger Aussagen eine elitäre Angelegenheit in Hamburg geblieben ist. Nur bestimmte Bürger gehen in das Museum oder in die Oper - Arbeiter gehen in den Zoo oder ins Kino.

Es geht auch ohne öffentlichen Tropf

Wenn nun also die etablierten, institutionalisierten Kulturanbieter genauso um ihre Förderzuwendungen auf der einen Seite und gewerblichen Einnahmen auf der anderen Seite achten müssen - eben genau so wie es der Maler aus dem Hinterhof oder die Filmemacher schon immer meistern mussten - so wachsen die Chancen auf einen öffentlichen Zuschuss insbesondere für die kleineren Kulturanbieter, die mit einer knappen bzw. leeren Kasse einfach besser klarkommen und deshalb mehr leisten können als andere.

Kunst und Lebenskünstler

Künstler, die ihre Tätigkeit in Selbstverantwortung ausüben, verfügen in der Regel über lange und anhaltende Erfahrungen mit knappen Mitteln. Bei der Budgetierung eines Kunstprojektes oder Kulturevents kalkulieren sie selten Honorare für sich selbst ein. Zuwendungen oder Sposorenmittel werden in der Regel voll und ganz zur Umsetzung des Vorhabes ausgegeben. Nicht selten klafft am Ende ein grösseres Loch in der Kasse als vorher.
Bei instutionalisierten Kulturanbietern, mit einer ihnen übertragenen kulturellen Verantwortung ist das anders, vor allem was Verwaltungskosten und den Mittelbedarf angeht, derkeinen direkten kulturellen Bezug hat.

Qualität, die Chance für alle

Die Hamburger Kulturschaffende erhalten die Chance neue Wege zu gehen: So könnte unsere Kultursenatorin z.B. einen neuen Verteilungsschlüssel entwickeln, der der die Qualität und die gesellschaftliche Bedeutung eines Kulturprojektes wieder in den Vordergrund stellt - und nicht alleine Exclusivität und Imagegewinn.


Insbesondere "kleinere" Künstler und Kulturanbieter könnten higegen auf der anderen Seite ihre Vorteile wie Flexibilität und Leistungsfähigkeit ausspielen und so mehr Kultur für weniger Fördermittel anbieten.
Alle Betroffenen sollten den Focus wieder vermehrt auf die Qualität ihrer Leistung als auf die Quantität der Förderung legen.