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Porträt:

Tranquillium

tranquillum

Eigentlich heißt er Oliver Görnandt, aber besser bekannt ist der Fotograf und Kulturschaffende aus St. Pauli unter seinem Künstlernamen Tranquillium. "Die meisten Fotografen nennen sich bei ihrem Namen, das fand ich langweilig", erklärt Oliver seine ungew&oul;hnliche Wahl. Wärend des Studiums brauchte ich einen Namen für die Internetseite, auf der ich meine Fotos ausgestellt habe. Und dann habe ich ihn einfach übernommen als ich angefangen habe als Fotograf zu arbeiten." Für ihn drückt dieses Kunstwort die innere Ruhe aus, die man zum Fotografieren braucht. Der gebürtige Freiburger studierte in Stuttgart Film und Kommunikationsdesign und ging danach für zwei Jahre als Foto-Assistent nach Miami. Dann hat es ihn nach Hamburg verschlagen, wo er seit 2001 als freier Fotograf tätig ist. "Es kamen nur Berlin oder Hamburg für mich in Frage", begründet er seine Wohnortwahl. Inzwischen hat er sich richtig in seine neue Heimat verliebt: "Ich mag diese trockene nordische Art mit ihrem Kaufmannsdenken, gegen das man als Künstler auch häufig anrennen muss. Das hat einen gewissen Charme", lacht er.

Geschichten in Bildern

st-pauli

Als Fotograf verdient er seinen Lebensunterhalt vorwiegend mit Werbung und Bildjournalismus. Klassische Auftragsarbeiten zum Geldverdienen. Sein Herzblut als Künstler schlägt allerdings für die Dokumentar- und Reportagefotografie. "Ich will Geschichten erzählen in Bildern", sagt Oliver. "Und Zusammenhänge sichtbar machen." Am reizvollsten sind für ihn die Dinge, die ihn selbst interessieren. "Ich möchte mich mit diesen Geschichten intensiv auseinandersetzen und mehr darüber erfahren." Deshalb sucht er sich immer wieder neue und spannende Projekte, um sich ständig künstlerisch weiterzuentwickeln. "Jedes Mal, wenn man etwas Neues beginnt, ist das wie mit einer Schwangerschaft. Es müssen Höhen und Tiefen durchschritten werden und am Ende steht dann die Geburt in Form einer Ausstellung oder eines Buches." Olivers längstes und wohl bekanntestes Projekt ist "Rückblick in die Gegengerade". Ein Jahr lang hat er ein fotografisches Portrait der St.Pauli Fans gezeichnet und stieß damit auf ein großes Medienecho in der bundesweiten Presse. "Ich möchte, dass meine Bilder auch in 20 Jahren noch immer stark sind und eine Wirkung haben", sagt Görnandt. "Ich möchte etwas mit Wertigkeit schaffen, das Bestand hat." Deshalb muss für ihn nicht alles immer schnell und digital sein. Sein neuestes Projekt fotografiert er mit einer 60 Jahre alten 6x6 Mittelformat Kamera, dem Werkzeug früher Reportage-Fotografen. Also bleibt er nicht nur inhaltlich, sondern auch in seiner Arbeitsweise seinem Namen treu.

Neue Ernte auf St. Pauli

kunstverein

Sich ständig weiter zu entwickeln, neue Dinge auszuprobieren und zu erfahren, das reizt Oliver Görnandt besonders. Deshalb hat er gemeinsam mit zehn Künstlern und Kulturschaffenden aus verschiedenen Bereichen den Kunstverein Linda e.V. gegründet, benannt nach der Kartoffelsorte, und eröffnet Sommer 2005 die gleichnamige Galerie in den ehemaligen Räumen der traditionsreichen Spirituosenhandlung Hansen nahe der Reeperbahn. Weil St. Pauli ein strukturschwacher Stadtteil ist, findet Görnandt kulturelles Engagement gerade hier besonders wichtig und will mit der Galerie einen kleinen Ausgleich schaffen zu Party, Rotlicht und Frittenbuden. Gleichzeitig entstehen auf St. Pauli immer mehr Luxuswohnungen und schicke Livestyle-Tempel. Auch dem will er mit der Galerie etwas entgegen setzen: "Kultur fängt vom Boden aus an und eine Stadt wie Hamburg sollte sich kulturell nicht nur über sogenannte Leuchtturm-Projekte wie die Elbphilharmonie definieren", sagt er. Dabei will er nicht nur sich selbst eine Plattform und Ausstellungsfläche schaffen, sondern auch Künstlern aus anderen Sparten einen Raum zur Auseinandersetzung anbieten. Was letztendlich auch seiner eigenen Arbeit zugute kommt: "Ich möchte mich durch das Kuratieren von Ausstellungen und Zusammenbringen von Künstlern weiterentwickeln." Die Brücken zu anderen Hamburger Kunst- und Kulturinstitutionen sind ihm hierbei sehr wichtig. Gerade in einer Zeit, wo der Rotstift immer häufiger bei wichtigen Kulturprojekten angesetzt wird, muss man die Köpfe zusammenstrecken.

Hafencity vor der Linse

interview

Tranquilliums aktuelles Projekt ist eine Dokumentation über Kunst und Kultur im neu entstehenden Hamburger Stadtteil Hafencity. Er beobachtet über einen Zeitraum von sechs Monaten hinweg die Entwicklungen des Reißbrett-Stadtteils, der von Politikern gern als glänzendes Beispiel für die wachsende Stadt vorgezeigt wird. Es wird untersucht, ob sich Bewohner, Arbeiter, Künstler und öffentlicher Raum gleichberechtigt gegenüber stehen.

hafencity

Wo bei all dem Prestige-Denken Mensch und Kultur bleiben, gilt es heraus zu arbeiten. Er wirft mit seinen Fotos dabei durchaus auch kritische Fragestellungen auf, denn zunehmend gewinnt die journalistische Herangehensweise in seiner Arbeit an Bedeutung. Anfang 2006 ist die Ausstellung dieser Dokumentation geplant.

 

Kontakt

Tranquillium Photography
Oliver Görnandt
Gerhardstr. 1
D-20359 Hamburg /Germany

Telefon ++49 (0) 40 8788 4009
Fax ++49 (0) 177 99 3024 631
Mobil ++49 (0) 177 3024 631
post@tranquillium.com

Galerie/Kunstverein Linda
Hein-Hoyer-Str. 17
20359 Hamburg St.Pauli

 

Text: Annette Riestenpatt
Fotos: Tranquillium

© kulturportal-hh.de 2005